Schneegestöber von Volker Koenig

Meine erste Wohnung war eine 34m²-Bude in Düsseldorf-Flingern.

Neben krassen Nachbarn, unerwarteten Besuchen und einem weltberühmten ehemaligen Obermieter hatte ich auch noch meine ersten Erfahrungen mit Schutt und Asche.

Und zwar im Wohnzimmer.

 

Den Vormieter hatte ich gezwungen überredet, die Tapete an der Wohnzimmerdecke vor dem Auszug zu entfernen. Das gefiel ihm nicht. Die Tapete war offenbar bei seinem Einzug vor drei Jahren schon dort, anders ließen sich die wenigstens drei Farbschichten, die durchschimmerten, jedenfalls nicht erklären.  Und weil er ahnte, was unter der Tapete auf ihn wartet, ward er nach Übergabe der Wohnung nicht mehr gesehen.

Die Decke war schwarz gefleckt. Ein Onkel, der damals einen Baumarkt in Niedersachsen geleitet hat , empfahl mir einige gute Marken, beispielsweise eine bestimmte Feste Farbe, die damals, 1989, gerade groß herausgekommen war. Extrem deckungsstark und leicht zu verarbeiten.

Ich fuhr mit der Fellrolle über die Farbe, rollte einmal über die Decke - bis auf einige Fleckchen war alles schön weiss.

Für die Fleckchen führ ich mit der Rolle nochmal in Gegenrichtung.  Sehr irritiert war ich von der Tatsache, dass die Farbe bis auf einige verbleibende weisse Fleckchen wieder auf die Rolle zurückgekehrt war. Und nicht nur die Farbe, auch Teile des Schwarzen, das da an der Decke hing, klebten dort.

Ich schob das der Festen Farbe in die Schuhe und kaufte normale Dispersionsfarbe. Ich weiss noch, dass ich sie an einem Sonntag Abend an die Decke strich, es blieb auch alles dort und flüchtete sich nicht wieder auf die Rolle. Am Montag Mittag kam ich von einer Vorlesung zum Renovieren.

Eine dünne Schneeschicht lag auf dem Wohnzimmerboden. Ich traute mich erst nach einigen Sekunden, an die Decke zu schauen: In Fäden hing die Dispersionsfarbe herunter.

Nun war das Bauhaus, also ein gehobener Baumarkt, in der Nähe und ich fragte dort einen Fachmann.

“Überlegen Sie mal: 30 Jahre starke Raucher in der Wohnung, dann vor 10 Jahren tapeziert, da sollte man schon eine Sanierung fordern. Die Decke ist so imprägniert, da zieht keine Farbe mehr an. Höchstens, wenn Sie Tiefgrund nehmen.”

Tiefgrund ist eine meist leicht gefärbte Grundierung. Sie soll die Haftungsfähigkeit des Untergrunds egalisieren. Tiefgrund an der Decke zu verarbeiten ist eine spannende Aufgabe, weil es sich um eine sehr dünne Flüssigkeit handelt.

Auf einer Rolle kann er nicht verteilt werden, mit einem Quast (eigentlich) auch nicht. Ich hab mir schließlich älteste Renovierungsklamotten angezogen und den Tiefgrund mit dem Quast schwungvoll an die Decke geklatscht. Dabei regneten wohl mehr als 50% auf die Erde zurück; die Decke des 12m² Wohnzimmers verbrauchte die Menge Tiefgrund, die für 40m² gereicht hätte.

Am nächsten Sonntag strich ich nochmal. Als die Decke am Montag Mittag wieder trocken war und diesmal sogar weiss blieb sah ich die Bescherung, die wohl seinerzeit zum Tapezieren geführt hatte: Absätze, Scharten, Kratzer. War durch das schwarzbunte Design vorher nicht erkennbar gewesen.

Ich improvisierte “Plan B” und rief den Vermieter an, was dagegen spräche, die Decke mit Styroporpanelen zu bekleben. Alternativ müsse er sie abziehen lassen. “Nichts spricht dagegen” sagte er.

Es war ganz einfach. Die Decke hatte eine Fläche von 3,05mx4,15m.  Die Platten hatten ein Maß von 50x50cm. Ich konnte also in der Breite sechs Platten nebeneinander legen und hatte eine schmale “Blindfuge” ringsum. Nur am Fenster musste ich die Platten schneiden, weil ich nicht mit einer ganzen Platte ausgekommen wäre.

Das beste war: Die dezenten Panele im Dekor weiss gekälkten Holzes gefielen auch meinem Nachmieter.

Wenn ich heute Tiefgrund verteile nehme ich eine millige Gartenspritze dafür, diese 5l-Teile, in die normalerweise Biologische Kampfstoffe Pflanzenschutzmittel gefüllt werden. Kosten im Baumarkt ab 10 EUR. Das ist allemal billiger, als die doppelte Menge Tiefgrund zu verbrauchen.



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