Salmei, dalmei, adomei! von Volker Koenig

Für Catweazle war alles mit Strom der “Elek-Trick”, den er trotz innovativer Zaubersprüche nie richtig beherrschte (“Scheine, kleine Sonne!”). Für uns ist Elektrizität gleichsam lebenswichtig wie alltäglich.

In unserern Häusern wird heutzutage mit einer Wechselspannung von 230 Volt gearbeitet. Wechselspannung wechselt ihre Fließrichtung 50 Mal in der Sekunde, deshalb gibt es keinen Pluspol und keinen Minuspol. Vielmehr gibt es einen Nullleiter (früher: Erde) und eine Phase. Der Nullleiter ist noch immer geerdet, wer ihn berührt spürt nichts davon, sofern der Elektriker nicht grob falsch gearbeitet hat.

Anders bei der Phase: Sie hat immer gegen Erde (bzw. Null) ein Potential von 230 Volt Wechselspannung. Wenn Verbraucher (oder unvorsichtige Menschen) den Stromkreis zwischen Phase und Null schließen, fließt ein Strom. Der wird in Ampere gemessen, die Spannung in Volt mal dem Strom in Ampere ergeben die Leistung in Watt, die abgenommen wird.

Je höher der Strom um so wärmer werden die Leitungen. Deshalb muss jeder Stromkreis eine Sicherung haben, die bei einem bestimmte, von der Leitungsstärke abhängigen Strom denselben unterbricht.

Seit Generationen haben unsere Steckdosen jedoch nicht zwei, sondern drei Leitungen. Was ist da außer Null und Phase zusätzlich drin?

 

Es ist der Schutzleiter.

Null und Phase sind in den Steckdosen nicht genormt. Je nachdem, wierum der Stecker eingesteckt wird, kann die Belegung wechseln.

Bei Elektrogeräten mit Metallgehäuse (also nicht nur Waschmaschinen) kann es theoretisch vorkommen, dass ein defektes Kabel das Metall unter Spannung, also Phase setzt. Da zwischen Phase und Null ein Strom fließen kann, auch durhc Menschen, ist das gefährlich. Denn der Mensch ist in der Regel über seine Füße geerdet, allerdings mitunter mit einem so hohen Widerstand, dass er von der Sicherung nicht (sofort) als Kurzschluss erkannt wird. Der Strom fließt also weiter, was ungesund ist.

Also wurde eine dritte Ader in die Leitungen gesetzt, in der eine separate und im Stecker genau definierte Erde mitgeführt wird. Die metallenen Bauteile von Elektrogeräten müssen mit diesem Schutzleiter verbunden sein, damit sofort ein Kurzschluss entsteht, und die Sicherung zünden kann, wenn oben beschriebener Defekt auftritt.

Früher wurde einfach im Sicherungskasten der Schutzleiter auf den Nullleiter geklemmt. Das funktioniert, ist aber nicht wirklich optimal.

Heute ist neben der Sicherung ein FI-Schutzschalter vorgeschrieben. Dieser FI-Schalter reagiert auf Fehlerströme: Er teilt die Null in eine definierte Null und einen definierten Schutzleiter und misst, ob der Strom, der über die Phase in die Stromkreise fließt, auch über Null zurück kommt. Ein bisschen Schwund ist immer, aber wenn er zu hoch ist, schaltet der FI ab, weil möglicherweise ein Mensch gerade dabei ist, Strom über seine Füße ins Erdreich zu leiten.

Ich selber empfehle heutzutage keine dreiadrigen Leitungen, sondern Fünfadrige.

Funfadrige Leitungen können drei separate Phasen, eine Null und einen SL leiten. Die Kabel sind zwar störrischer und teurer, ersparen aber später Arbeit.

Weiterhin sind diese fünf Adern in jedem Raum in allen Dosen und Schaltern vorhanden. Der Vorteil: eines Tages mächte ich den Kronleuchter nicht mehr als Hauptlichtquelle im Wohnzimmer haben. Ich habe neue Möbel, in der Ecke steht ein Deckenfluter. Den möchte ich über den Lichtschalter an der Tür bedienen - nur wie?

Der Elektriker kriegt Eurozeichen in den Augen und spricht von Wand aufstemmen und anderem Blödsinn. Ich hab aber fünf Adern gelegt und kann nun eine der beiden freien Adern statt der Phase in der betreffenden Steckdose schalten und statt des großen Lichtschalters kommt ein Doppelter an die Tür, mit dme ich die betreffende Ader unter Strom setzen kann.

Und Schwupps hab ich eine schaltbare Steckdose wo gestern noch keine war.

Noch ein Tipp: Steckdosen kann man nicht zu viel haben. Dosen setzen und Kabel reinlegen ist eine gute Arbeit vor dem Tapezieren. Danach stellt man meist fest, wo die Dosen fehlen. Also: Immer ein paar Dosen mehr setzen (lassen), auch unter dem Lichtschalter, damit dort ggf. ein zweiter Schalter hin kann. Vielleicht möchte man ja im Kampf gegen den Elektrosmog irgendwann die Steckdosen, an denen der Fernseher hängt, mit einem weiteren Schalter beim Verlassen des Raumes stromlos bekommen. Auf die Leerdosen kommen Deckel, die (wenn sie gut gesetzt und etwas eingeputzt sind) unter der Tapete nur durch Klopfen gefunden werden.


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Wie, fünfadrige?

Mach mich nicht fertig :-)

Nach deinem Tipp mit den zu niedrigen Lichtschaltern haben wir beschlossen, dass wir die einfach vorher aufmalen werden *g*

Melody  am  22. Juni 2006



Für jedes große Elektrogerät gehört ein extra Sicherungskreis, und für den PC würd ich auch noch einen separaten vorsehen, damit der defekte Ventilator nicht Word zum Absturz bringt.

Wir haben übrigens Leerrohre, da braucht man zur not nur ein Kabel beizuziehen.

Thomas J.  am  22. Juni 2006



In Norwegen sind Kabel seit Generationen zweiadrig. Schutz, wer braucht denn sowas. :-)

Der Elektriker kriegt beim Wunsch nach weiteren Steckdosen oder Lichtanschlüssen keine Kronen-Zeichen in die Augen, weil er nämlich a) erbarmungslos eine Leitung über die Fußleiste klöppelt oder wahlweise b) ein weiteres oder neues Kabel durch das Rohr hinter der Gipsplatte zieht.
Er könnte auch c) einfach mal von der letzten Steckdose einen Abzweig zur neuen legen er ist ja flexibel.
Und: vom Anschluss für den Herd gehen 10cm Kabellänge zum Anschluss für die Spülmaschine. :-)

Schönes Wochenende,
Britta

Britta  am  23. Juni 2006



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