Mittendrin. von Melody

Die Vorstellung, dass uns dieses Umzugsunternehmen im Stich lässt, ist ein Horror für mich und ich bin dann am Nachmittag mit sechs vollgepackten großen Taschen zur neuen Wohnung gefahren, damit dann wenigstens die restlichen Klamotten und Handtücher plus Bettwäsche schon drüben sind.

Umzugstipp: Die großen karierten “Plastikkoffer”, die man in orientalischen Supermärkten für 50 Cent oder einen Euro kriegt, je nach Größe, lassen sich viel besser transportieren als Kartons. Seit in der neuen Wohnung die ersten Strukturen entstehen, habe ich sie jeden Tag drüben zwei-, dreimal ausgeleert und wieder mitgenommen, sie sind eine wunderbare Hilfe.

Der Plan sah ungefähr so aus: Taxi rufen, mit sechs Taschen und einem Korb zur neuen Adresse gefahren werden, dort alles ausladen und immer einen Treppenabsatz höher bringen (ich kann eigentlich körperlich gar nicht so gut tragen und mache sowas in Abschnitten).

Abgelaufen ist es dann so: Anruf beim Taxiunternehmen und die Bitte um einen Wagen »zur Reichswaldallee 57, aber bitte sagen Sie dem Fahrer, dass er durch den Hirschweg und die Eitelstraße fahren soll, denn man kann vor unserem Haus nicht links abbiegen und ich stehe mit Taschen an der Ecke zur Nebenstraße.« Madame Funkverkehr blafaselte irgendwas von “die Taxen stehen eh gleich um die Ecke von Ihnen” und ich wiederholte meine Bitte noch zweimal, bis sie mir versicherte, das würde alles klappen, ja prima, der kommt über den Hirschweg zu der Ecke an der Eitelstraße, das garantierte sie mir, kein Problem.

Selbstverständlich und wie es zu erwarten war, tauchte erst 20 Min später ein Taxifahrer auf, der aber vor dem Haupthaus an der Hauptstraße stand und dort nicht links abbiegen durfte, auf meine Kosten um den (großen) Block gefahren ist und erst mal moserte und vorher nölte, weil ich mich weigerte, mal eben sechs schwere Taschen fünf Garagen und eine Häuserecke weit zu schleppen. War klar.

Dann moserte er, als sich die Fahrt als kurz entpuppte. Er wurde erst freundlich, als ich ihm unsere Umzugsumstände beschrieb, die würden aber auch Steine erweichen. Jeder Taxifahrer mault, wenn man nicht bis Usbekistan fahren will, die Möbelpacker maulen, wenn sie Möbel packen sollen und ich habe heute zum ersten Mal seit Ewigkeiten eine gut gelaunte Einzelhandelsfachverkäuferin gesehen, aber macht ja nichts. Mir wird es trotzdem ein verdammtes Anliegen sein, einfach nur freundlich zu bleiben, erst recht, wenn ich innerlich koche.

Als ich mich mit den sechs Taschen plus Korb ins erste OG gequält hatte, kam meine neue Nachbarin und trug einfach mal eben so vier Taschen an mir vorbei nach oben, um mich zu retten, ich war so froh. Danke, Stefanie! Ich schlief dann kurz darauf auch prompt im Sitzen ein und erwachte erst gegen 21 Uhr von einem wahrhaft mörderischen Oberschenkelkrampf. Oliver hat in der Zwischenzeit die beiden letzten Wandschränke im Übergangskämmerchen angebracht und Lampen im Bad und die Waschmaschine angeschlossen und sobald ich wieder stehen konnte, sind wir in die alte Wohnung gefahren, um Katzen zu knuscheln, Schränke abzubauen und Kleinkram einzusammeln.

Ich hab mal kurz geschwänzt, um diesen Blogeintrag zu schreiben, aber jetzt geht es weiter.



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Schön, dass deine neuen Nachbarn so hilfsbereit sind. Da kann sich der eine oder andere eine Scheibe von abschneiden.

Petra  am  22. September 2006



Oh ja. Gestern und heute wäre auch Scheibenschneidetag gewesen.

Melody  am  25. September 2006



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