Kellerkinder von Volker Koenig

???

Keller sind sehr vielseitig nutzbar

Sie können Vorräte aufnehmen, Haustechnik beherbergen, so macher Hobbyraum befindet sich dort und wer eine Leiche zu lagern hat wird dies üblicherweise auch im Keller tun. Keller sind aber auch ein steter Quell von Renovierungsanregungen und - herausforderungen.

 

Unser Keller war feucht. Oder ist feucht, je nach Definition. Aufgefallen ist das natürlich erst während der Renovierungsphase, denn vorher war eine reichlich Abwärme produzierende Kohleheizung dort installiert.

Nun wohnen wir am Niederrhein, wo der Grundwasserspiegel nicht allzu tief unter der Erde liegt. Im Gegenzug ist die Erde durch ihre Kapillarwirkung immer recht feucht, und das muss ein Bauherr bedenken.

Hat unserer nicht, hat es in 40 Jahren auch nicht gemerkt, weil er ja die Kohleheizung im Keller hatte.

Als der Schimmel kam und die ersten Katzenfutterdosen Rost ansetzten holten wir Rat ein. Bei Gebäudesanieren und anderen Fachleuten. Alle Vorschläge erinnerten mich an die Vorurteile, die ein Kollege gegen Orthopäden hat: Die lotsen Dich durch alle ihre Geräte und Therapieformen durch nach dem Motto “eins davon hilft dem Patienten und die anderen meinem Konto”.

Da die Wände nass waren Wasser von den Wänden lief hielten die Fachleute “drückendes Wasser” für das Problem, also eine Feuchtigkeit, die durch die Kapillarwirkung des Fundaments und des Mauerwerks aufsteigt. 

Abhilfe würde eine Sperrschicht schaffen, die unten in die Kellerwände eingezogen werden muss. Dazu werden im Abstand von 20cm in zwei Reihen “auf Lücke” stehend Löcher in die Wand gebohrt. Jedes Loch soll 30cm tief sein und ein Gefälle von wenigstens 15% haben. In diese Löcher werden Trichter gesteckt, die (hoffentlich) am Lochrand dicht abschließen und eine auf Wasserglas basierende Flüssigkeit enthalten. Sie sickert in das Mauerwerk ein und dichtet gegen aufsteigende Feuchtigkeit ab.

Zum Glück hab ich das nur an einer halben von drei Außenwänden gemacht, denn es blieb wirkungslos. Also ging ich analytisch ans Werk.

Feucht waren: der Boden, die Außenwände im überirdischen Bereich

Kalt, aber trocken waren: die Außenwände, soweit sie unter der Erde waren, die Innenwände

Aha, nur Außenwände sind betroffen, und die auch ausgerechnet im unteren Bereich nicht. Aufsteigende Feuchtigkeit kam als Ursache somit nicht in Frage.

Unser Problem war vielmehr der Taupunkt.  Das ist die Stelle in der Wand, an der gasförmiges Wasser auf dem Weg nach Draußen so weit abgekühlt ist, dass es kondensiert. Normalerweise sollte der Taupunkt außerhalb des Gebäudes oder wenigstens in der Außenschicht des Mauerwerks liegen.

Wir hatten zudem die Empfehlung eines der Fachleute angenommen, im Keller Heizkörper zu installieren und zu heizen. Das verschlimmbesserte die Situation, denn zu der normalen Luftfeuchtigkeit kam nun noch Feuchtigkeit aus dem Boden, die verdampfte und im Putz der nicht isolierten Kellerwand kondensierte.

Zu allem Überfluss konnte das diffusionswillige Wasser gar nicht aus der Wand heraus, denn die war außen lackiert und somit luftdicht. Die alte Kohleheizung hatte vermutlich Wände und Erdreich bis 1/2m unter der Bodenplatte so trocken geröstet, dass diese Probleme nie auftreten konnten.

Seit 6 Jahren sind nun die Kellerfenster offen, die Heizungen ausgeschaltet und die Lackschicht durch einen diffusionsfähigen Bitumenanstrich ersetzt. Die nach wie vor feuchte Bodenplatte habe ich mit einer Verkieselungsflüssigkeit wenigstens trockener bekommen. Vor einer Sperrbetonschicht auf der Bodenplatte schrecke ich noch zurück, weil der ohnehin niedrige Keller dann nur noch auf Knieschonern betreten werden kann.

Der Baubiologe meinte noch im Jahr 2001, dass der Schimmelbefall nicht mehr wirklich stark sei und er auch keine pathogenen Sporen gefunden habe.

 



Kommentare: (per RSS abonnieren)


Ach herrje. Nun verstehe ich, wieso du so außergewöhnlich viel über sanierungsbedürftige Keller weißt.

Melody  am  24. Mai 2006



Seite 1 von 1 Seiten


Name:

Email:

URL:

Persönliche Angaben speichern

Benachrichtigung bei Folgekommentaren

Bitte beantworten Sie die folgende Frage:
Welches Tier bellt?

« « Neues vom Schornstein. | Badewanne: Bestellt! » »