Hochglanzlack fürs Badezimmerschränkchen von Britta H.

Gibt es eigentlich noch mehr Menschen, die im Badezimmer eine Nische haben und diese mit einem Schränkchen ausfüllen möchten? Wenn man sich die Maße der am Markt befindlichen Schränke so anschaut, mag man es kaum glauben.
Es stellte sich jedenfalls als ziemliches Problem heraus, ein passendes Schränkchen für die 50 cm breite Nische in meinem (eh schon winzigen) Bad zu finden. Allzu teuer sollte es auch nicht sein, da klar war, dass ich hier nicht ewig wohnen würde - und wer weiss, ob ich das Schränkchen später überhaupt noch gebrauchen kann?
Dummerweise hatte ich natürlich auch wieder sehr konkrete Designvorstellungen: Hochglänzend und weiss oder in mintgrüner Gruselfarbe ;) sollte es sein. Und bitte ohne Spiegel, aber mit einer Nische unten.

Nach wochenlanger erfolgloser Suche beschloss ich schließlich, ein billiges Schränkchen zu kaufen und dieses dann selber zu lackieren. Meine Recherche im Internet ergab zwar, dass so ein Hochglanz-Effekt ohne Profi-Equipment (Spritzpistole, staubfreier Arbeitsraum) wohl kaum zu erzielen sein wird, aber ich wollte es trotzdem versuchen.

Ich kaufte also im Baumarkt Vorstreichfarbe (dulux), Buntlack (Hochglanz, dulux, auf Kunstharzbasis - Kunstharzlack glänzt nämlich mehr als Lack auf Wasserbasis) und Polierglanz Versiegelungslack (Donarit / national, Polyurethan-Klarlack), diverse Schleifpapiere, Pinsel und Farbroller und probierte es an einer alten Garderobe aus. Sämtliche Farben erwiesen sich als Fehlinvestition, da das Weiss recht gräulich erschien und der Klarlack zu allem Überfluss einen Lilastich hatte. Nicht gut.
Wir lernen: Der Baumarkt ist keineswegs eine gute Adresse für den Farbenkauf. Nicht nur die Beratung ist hier eine Katastrophe, sondern die Produkte sind es unter Umständen auch.

Der nächste Versuch führte mich also in den Farben-Fachhandel (an dieser Stelle ein Dankeschön an Maleco für die nette und kompetente Beratung und die tollen Produkte!).
Auf Anraten des Verkäufers standen jetzt weißer und mintgrüner Hochglanz-Kunstharzlack und Owatrol-Öl auf meiner Einkaufsliste. Das Owatrol-Öl mischt man in den Buntlack, damit die Fließeigenschaften des Lacks und der Glanz gesteigert werden. Ein Überzug mit transparentem Hochglanz-Lack wird überflüssig, da man auch den Hochglanz-Buntlack direkt polieren kann.


Aber der Reihe nach, so wirds gemacht, damit es auch gut aussieht:

- Holz, Möbel (oder, in meinem Fall, hässliche beschichtete Spanplatten) so fein wie möglich abschleifen. Ein Schwingschleifer ist dabei sehr hilfreich.

- mindestens 2 Mal mit Kunstharzlack lackieren. Wie immer gilt: Lieber mehrere dünne Schichten als eine dicke!
Eigentlich sollte man natürlich mit einer Schaumstoffrolle streichen, aber am besten probiert man aus, ob einem Rolle oder Pinsel besser liegen. Das Anstreichen und anschließende gut durchtrocknen lassen sollte in einem möglichst staubfreien Raum geschehen.
(Wer nun in Erwägung zieht, statt Farbroller eine Spritzpistole zu kaufen, braucht definitiv auch einen geeigneten Arbeitsraum (Hobbykeller, Garage, etc.), da sich der Farbnebel recht weit verteilt. In einer normalen Mietwohnung ist das Spritzen jedenfalls keine gute Idee - es sei denn, man möchte ein komplettes Zimmer oder den Balkon gleicht mit einfärben.)

- Nach dem Trocknen jede Lackschicht wieder glattschleifen - mit Lackschleifpapier, versteht sich. 240er sollte reichen, feiner muss es (noch) nicht sein.

- die letzte Schicht dann nach dem Trocknen immer feiner werdend abschleifen/polieren, am Ende sollte man bei 800er Nassschleifpapier angekommen sein.

- jetzt brauchen wir noch Polierpaste (Motorrad-/Autofachhandel) und einen Polieraufsatz für die Bohrmaschine oder den Akkuschrauber.
Man könnte den Lack zwar auch mit Lappen und Polierpaste von Hand polieren, das dauert aber ewig und ist viel zu anstrengend.
Also: Eine kleine Menge Polierpaste mit einem Baumwolllappen auf der zu polierenden Fläche verteilen und mit dem flauschigen Polieraufsatz drübergehen. Vorsicht, mit zu viel Paste können Kratzer entstehen - also am besten vorher an einer versteckten Stelle ausprobieren.



Fazit:
Wirklich professionell sieht das Ergebnis immer noch nicht aus, aber es glänzt ganz schön und ist meines Erachtens nicht schlecht geworden.
Allerdings kann der Lack auf ursprünglich melamin-beschichteten Flächen an den Kanten schnell abplatzen. Nacktes Holz wäre wohl als Untergrund besser geeignet. Aber was will man machen, wenn die Auswahl an Schränken begrenzt ist und man froh ist, überhaupt etwas Passendes gefunden zu haben.
Der Aufwand für die Hochglanz-Lackierung ist auch nicht zu unterschätzen, daher empfehle ich das Selbermachen nur für relativ kleine Flächen. Wer ein richtig perfektes Ergebnis erzielen möchte, dem empfehle ich, die Möbel lieber in einer Lackierwerkstatt spritzen zu lassen.
Für mein Schränkchen, das nur 1,5 Jahre in Gebrauch war, hätte sich das allerdings nicht gelohnt – und immerhin konnte ich euch dadurch hier eine kleine Anleitung bieten ;)



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Respekt :-)

Melody  am  22. August 2007



was hat der ganze Spass gekostet?

Gruß

lulu  am  26. August 2008



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