»Eure Treppen schaffen mich« von Melody

Das höre ich von fast jedem Besuch. Was soll ich sagen? Mich schaffen sie auch.

Deswegen habe ich mich ja gerade für diese Wohnung ausgesprochen, als es an die Entscheidung ging: Treppen machen fit. Mir macht es nichts aus, wenn ich an schlechten Tagen länger brauche bis nach oben, ich habe ja keinen Stress. Und in der ganzen restlichen Zeit tut die Bewegung gut.

Das sehe ich auch nach zweieinhalb Jahren noch so, auch wenn ich vor der Schwangerschaft wesentlich besser mit dem Aufstieg zurechtkam. Beim Einzug kroch ich die Stufen buchstäblich hoch, als ich fit war, wurde ich auch sofort schwanger, seitdem ... lassen wir das. Daran muss ich jetzt dringend arbeiten. Aber es stört mich wirklich nicht so.

Mineralwasser und Katzenstreu werden angeliefert. Natürlich sind die Treppen anstrengend, aber wir sind ja keine Rentner.

Als wir diese Eigentumswohnung kauften, stand natürlich auch die Überlegung im Raum, ob man im hohen Alter später noch Treppen steigen will und kann und viele Bekannte meinten, sie hätten dann doch lieber einen Neubau mit Aufzug gekauft oder wären ins Erdgeschoss gezogen. Das geht aber gar nicht, da guckt einem ja jeder rein.

Und Neubauten sind meist so grässlich. Hellhörig, lieblos konzipiert. In so einer Anlage möchte ich keine Wohnung kaufen, ebenso wenig wie ich ein Standard-Reihenhäuschen bauen oder beziehen möchte. In denen läuft man doch nur den ganzen Tag treppauf, treppab. Und für freistehende Villen mit zwölftausend Metern Park reichte das Budget nicht ganz.

Unsere Etage hier oben ist schön, aber ich bin nicht so romantisch anzunehmen, dass wir auf jeden Fall ein Leben lang hier bleiben. Wir haben von vornherein Elektrik und Heizung so geplant, dass man ohne große Kosten oder Aufwand wieder zwei Wohnungen aus diesem Obergeschoss machen kann, und zwar zwei wesentlich schönere und hochwertigere, als sie es vorher waren.

Wenn die Treppen uns oder mir zu mühsam werden, könnte man irgendwann auch einen Aufzug in den Innenhof bauen - bei Zustimmung der anderen Eigentümer, die ja schließlich auch was davon hätten, wenn diese Option (im Notfall oder generell) zur Verfügung steht. Fast jede Wohnung im Haus wäre wesentlich mehr wert, wenn es die Möglichkeit einer Aufzugsnutzung gibt und wie gut man später laufen kann, weiß keiner. Stimmen die anderen Eigentümer dem Aufzug aber nicht zu, ist das auch nicht so furchtbar tragisch - dann ziehen wir eben um und vermieten oder verkaufen die Wohnungen.

Das erkläre ich dann auch jeweils den Besuchern, wenn sie schnaufend vor mir stehen. Die meisten investieren übrigens in Fitnessclub-Mitgliedschaften oder trainieren irgendeinen Leistungssport und möchten trotzdem höchstens im zweiten Stock wohnen. Ts.



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