Dachschäden von Volker Koenig

Der Bauherr unseres kleinen Niederrheinhäuschens hasste Handwerker.

Selbst war er Schlosser und konnte somit das eine oder andere von dem, was er am Haus gebaut hat, wirklich. Handwerker, so hörte man, hätten ihn schon in den 1950ern mehrfach versetzt.

Wer Handwerker für größere Arbeiten beauftragt tut gut daran,

  • sich im Baumarkt ein entsprechendes Buch zum Selbermachen zu kaufen, um die Kostenvoranschläge einschätzen zu können
  • wenigstens drei Kostenvoranschläge einzuholen
  • Anfang- und Endetermin der Arbeiten im Kostenvoranschlag fest zu definieren
  • darauf zu achten, dass die Wartezeiten der Rechtsschutzversicherung abgelaufen sind

Insbesondere der vorletzte Punkt ist wichtig und trennt die Spreu vom Weizen - wer diese Termine in seinen Kostenvoranschlag aufnimmt ist entweder sehr gut organisiert oder grob fahrlässig. Während wir uns auf Tischler, Installateure und Fliesenleger bislang gut verlassen konnten waren gerade die typischen “Bauberufe” in Sachen Projektmanagement immer wieder interessant.

Beispiel Dachdecker.

Für kleinere Arbeiten zum Verschönern des Hauseingangs kam der umtriebige Dachdecker A, dessen Fahrzeuge ständig bei uns durch die Straße fuhren, zum Besprechen des Auftrags zu uns.

Zuerst besichtigte er die bisherigen Dachdeckerarbeiten und lästerte ausgiebig über die von Dachdecker C vor 10 Jahren ausgeführten Arbeiten. Dann kam er zur Sache.

“Kein Problem, nächste Woche Donnerstag kommen zwei Gesellen und machen das”, sagte er. Und zwar im identischen Wortlaut und 4 Wochen lang. Bis ich ihm den Auftrag entzogen habe, weil der Tischler die Haustür endlich mal montieren wollte, was erst ging, wenn alle Bitumenarbeiten um die Tür herum abgeschlossen waren.

Dachdecker B machte dann alles eher schlecht als recht, lästerte aber massig über Kollegen A ab (um dann von Dachdecker C später selber als unfähig und zu satt dargestellt zu werden, aber das wird eine eigene, längere Geschichte).

Auch unsere Nachbarn befragten Dachdecker A, weil der Dachstuhl ihres neuen Hauses einen Riss aufwies, der repariert werden sollte, damit nicht noch ein Versicherungsfall eintritt. Inzwischen haben sie die Hoffnung aufgegeben, jemanls einen Kostenvoranschlag oder gar einen leibhaftigen Handwerker zu Gesicht zu bekommen. und selber ein paar Bretter drüber genagelt.

Weniger Glück hatte der Inhaber unseres Bioladens. Der hatte auch Dachdecker A beauftragt, beim Neubau seines Hofladens die Dachdeckerarbeiten am begrünten Flachdach vorzunehmen.  Und was passierte?

“Einen Tag nachdem ich ihm das Fax mit dem Auftrag geschickt habe kamen zwei Gesellen auf der Baustelle an, arbeiteten eine halbe Stunde und verschwanden wieder.”

Auch der Bioladner bekam vier Wochen lang das Donnerstagsmärchen aufgetischt, bis er den Dachdecker wirksam in Verzug setzen und den Vertrag kündigen konnte. Und er musste er einen neuen Dachdecker finden, der natürlich auch eine gewisse Vorlaufzeit hat.

Die Ladeneröffnung verzögerte sich um fast zwei Monate.



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In einer reichen Stadt mit verwöhnten Handwerkern zu leben, hat auch seine Nachteile, was? :-)

Remington  am  26. Mai 2006



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