Dachschäden VI von Volker Koenig

Zwei Tage später.

Die Ziegel waren noch nicht geliefert, dafür hatte Dachdecker C inzwischen das alte Scobalit, das unsere Waschküche vor Regen und Schnee geschützt hatte, auftragsgemäß komplett entfernt.

 

Über der Waschküche war eine Plane gespannt. Die Regenrinne des direkt angrenzenden Daches, das er teilweise eingedeckt hatte, war erneuert worden. Die neue Rinne war breiter als die alte. Der Anschlusskasten, der an der Rinne befestigt war, leitete in ein 100mm Rohr ein, auf Augenhöhe endete noch das alte 80mm Rohr. Die Lösung des Problems sah wenig professionell aus und blockierte die Nebeneingagstür.

Ebenso wenig gefiel uns das Zinkblech am Ortgang des neu eingedeckten Daches.

Von der einen Seite, die er vor 10 Jahren eingedeckt hatte, kam es am First ungefähr 5cm tiefer an als von der Seite, die er gerade neu eingedeckt hatte.  Um die Lücke zu schließen, hatte er einen Hut aus Blei zurecht geknetet und drüber geklemmt.

Ich wollte mich moralisch aufbauen und begutachtete die Deckenbalken. Es war im Zimmer dunkel, weil die Deckenlampe zusammen mit der alten Decke schon im Container wartete. Mit der Taschenlampe leuchtete ich - aha, gehobeltes Holz.  Ich kletterte auf die Leiter und maß den Höhenunterschied zwischen den Resten der alten und den neuen Deckenbalken.

55cm

Ich maß vom Boden: Richtig, die neuen Balken hatten an der Unterkante 2,75m Höhe. Auch mit diesen Balken hätte ich links und rechts hässliche (und aufwändig zu erstellende) Dachschrägen konstruieren müssen. Zudem waren die Balken teilweise grün, also kesseldruckimprägniert, und daher weder zum weiss lasieren noch für den Innenausbau geeignet.

Wir riefen an. Diesmal ich. Ich dampfte aus den Nüstern und hätte mit einem einzigen Husten eine Stichflamme erzeugt, die ein eine kleinere mittelalterliche Burg, wahlweise ein größeres Mehrfamilienhaus in Schutt und Asche gelegt hätte.

“Aber ich hab die Balken doch diesmal gehobelt!”

Sie sind aber immernoch zu hoch. Haben wir vorgestern nicht von 2,50m Unterkante gesprochen?

“Aber ich hab die Balken doch für mein eigenes Geld diesmal hobeln lassen!”

Und kesseldruckimprägniert sind sie auch, da kann ich nicht lasieren, das schlägt grün durch.

“Dann lackieren sie die doch zweimal.”

Lasieren, sagte ich. Ich will später die Maserung sehen. Und die Verzinkung am Ortgang machen Sie auch neu. Das kommt oben nicht aus.

“Dann hätte ich die Ziegel entfernen müssen, die vorher auf dem Ortgang waren. Davon haben Sie nichts gesagt.”

Das hatten wir bei den vorigen Aufträgen auch nicht und sie haben es trotzdem gemacht, warum diesmal nicht? Und das Regenrohr machen Sie auch neu, das sieht nicht nach der Arbeit eines Fachbetriebes aus.

Ich wurde den Eindruck nicht mehr los, dass unser Verhältnis mit dem Dachdecker belastet war.  Andererseits treffe ich mich nicht mit einem Handwerker, um einen Auftrag zu besprechen, damit er nachher einfach irgendwas macht.

Oder sollte es sich bei ihm um einen Fall von Korsakow-Syndrom handeln?

Ich hätte damals jedenfalls nicht erwartet, dass seine Leistungen noch zu steigern wären…



Kommentare: (per RSS abonnieren)


Spätestens hier muss man sagen:

Ein Architekt hätte zwar vielleicht einen Teil der Summe als Honorar bekommen, aber damit hätte man sich vielleicht Ärger erspart.

Der hätte die zuverlässigen Handwerker gekannt und die Bauleitung übernommen.

Der, bei dem ich mal Praktikum gemacht habe, hatte vor jedem Vertrag ein dreiseitiges Pamphlet mit Vertragsstrafen bei Nichteinhaltung von Terminen und Absprachen (Baudetails so genau wie möglich).

Thomas J.  am  31. Mai 2006



Eigentlich ja. Andererseits hatten wir über unsere Versicherung (ein Teil der Arbeiten ist die Behebung eines Sturmschadens) einige empfehlenswerte Betriebe erfahren, mit deren Abwicklung der Schadenssachbearbeiter gute Erfahrungen gemacht hat. Und Dachdecker C hatte damals, vor 10 Jahren, schonmal gute Arbeit geleistet. Der erste Dachdecker, der das Haus damals eindecken sollte, hat ein Verbundsystem aus Ziegel und Hartschaum genommen, dass bei unserer Dachneigung nicht funktioniert hat.
Der zweite hat Betonziegel genommen, aber weder die Ziegel noch die Dachfenster so einbauen können, dass kein Wasser durchkam.
Erst C hat im Handumdrehen die Arbeiten korrekt erledigt. Kurz darauf hat er auch die andere Hauhälfte eingedeckt (die damals noch jemand anders gehörte, aber das ist eine andere Soap Opera ;-). Und auch da hat er gut gearbeitet.
Vermutlich wollte er den kleinen Auftrag bei uns, für den übrigens kaum ein Architekt mal zu uns gekommen wäre, mal schnell zwischen Suppe und Kartoffeln abwickeln.
Aber es geht ja noch weiter ;-)

Volker Koenig  am  31. Mai 2006



Der handgepatschte Bleihut gefällt mir besonders gut. Ich glaube, ich wäre Amok gelaufen.

Melody  am  31. Mai 2006



Ja, beachte bitte auch die unterschiedlichen Bleche links und rechts davon. Rechts deckt er den schäbbigen Teil der Mauer sauber ab (weil er es maßgeschneidert abgekantet hat), links hat er ein fertiges Teil genommen, das in der Fläche etwas zu breit war, dafür in der abgekanteten Seite nur halb so tief ging.
Das gleiche Augenmaß hat er vermutlich bei den Deckenbalken genommen ;-)

VolkerK  am  31. Mai 2006



Seite 1 von 1 Seiten


Name:

Email:

URL:

Persönliche Angaben speichern

Benachrichtigung bei Folgekommentaren

Bitte beantworten Sie die folgende Frage:
Welche Farbe hat eine Zitrone?

« « Puzzle-Fußboden | Angebot Verputzungsarbeiten. » »