Dachschäden IX von Volker Koenig
Freitag kamen wir erst später nach Hause., so gegen 18:00 Uhr
Vor unserem Haus hielt ein älterer Mercedes auf dem Bürgersteig, ein Junge von 10 oder 11 Jahren kam aus unserer AUffahrt gerannt und machte einen Hechtsprung durch die Beifahrertür. Der Mercedes fuhr mir quietschenden Reifen an. In seiner Autonummer fanden sich die Initialen des Dachdeckermeisters C.
Im Briefkasten lag ein abgebrochener Schlüssel. Natürlich: Der Schlüssel, den der Dachdecker von uns hatte. Abgebrochen war er pefekt am Bart.
Der Ziehschutz am Nebeneingang war durch Werkzeugeinwirkung stark beschädigt. Der Bart, soviel stand fest, steckte nicht mehr im Schloss.
Und die Tür war nicht verschlossen. Klar, dass der Junge unser Grundstück verlassen hatte, als ob er Ärger erwartet.
Der kann was erleben, dachte ich, und rief den Dachdecker an.
Ob er wisse, was mit dem Ziehschutz am Nebeneingang geschehen sei.
“Nein, von einem ‘Ziehschutz’ weiss ich nichts.”
Dann müsse ich die Polizei rufen, das seien dann Einbruchsspuren. Vielleicht können sich ja Nachbarn dran erinnern, wer sich am Schloss zu schaffen gemacht hat.
“Ach so, wenn sie den Schlüssel meinen, den hat mein Geselle gestern abgebrochen. Damit hab ich nichts zu tun.”
Mir schossen passgenaue Begriffe aus den BGB-Vorlesungen vor langer Zeit durch den Kopf: Schadenersatz, Erfüllungsgehilfe, Garantenpflicht… aber das würde er vermutlich nicht verstehen. Also fragte ich ihn, ob er von allen guten Geistern verlassen sei, dass er unseren Nebeneingang zwei Tage unverschlossen gelassen habe. Außerdem hätte er den abgebrochenen BArt mit einem langen, dünnen Nagel von der anderen Seite heraus schieben und den Schlüssel nachmachen lassen können. Jetzt müssen wir den Schlüsseldienst rufen und Nachtzuschläge zahlen, weil es nach 18:00 Uhr war.
“Sie haben da billiges Zeug aus dem Baumarkt, das geht immer kaputt, da kann ich nichts für. Ich hätte den beschissenen Auftrag gar nicht annehmen sollen. Sie machen nur Ärger. Die Nachbarn haben mir schon gesagt, sie würden keine Handwerkerrechnungen zahlen und hätten mit allen Handwerkern Streit.”
Ich weiss nicht mehr, was ich ihm darauf erwidert habe, aber ich erinnere mich daran, seine Frage, ob wir etwa Anwälte seien, unbeantwortet gelassen zu haben. Er erklärte sich bereit, den Schaden am Schloss zu bezahlen.
Über die Polizei erfuhr ich einige seriöse Schlüsseldienste mit moderaten Preisen (kann ich in solchen Fällen nur empfehlen: Zur Wache gehen oder dort anrufen, die müssen öfter mal Türen öffnen). Die Kosten fürs Brechen des Zylinders waren mit 95 EUR incl. Anfahrt und Nachtzuschlag günstig. Das neue Schließblech kostete 75 EUR - der Ziehschutz alleine war nicht zu tauschen.
Per Fax bestätigte ich die Absprachen zu den Kosten wegen des Schlüssels und forderte zugleich eine detaillierte Rechnung seiner Leistung an.
Und am nächsten Tag packten wir und fuhren in den Urlaub nach Rothenburg ob der Tauber.
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