Brandsanierung von Melody

Wenn ich das mal zeigen darf: Das war meine Küche

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Eine Brandsanierung ist etwas vollkommen anderes, damit werden Fachfirmen beauftragt und andere Unternehmen dürfen das auch gar nicht machen. Die Sanierung nach einem Feuer - bei uns war es die ganze Etage, der Dachboden hat gebrannt und darunter war ein Löschwassertotalschaden - läuft ungefähr so ab.

Der noch erhaltene Hausrat wird geborgen - oft stellt sich heraus, dass vieles noch weggeworfen werden muss, das man für gerettet hielt - bei uns waren es kartonweise Bücher, die sich später durch Brandgeruch als verseucht verrieten.

Wir mussten auch eine alte Truhenbank gehen lassen, so eine wunderschöne riesengroße Küchenbank, weil wir kein Geld hatten, sie sanieren zu lassen (und nicht mal auf den Gedanken kamen, dass die Hausratversicherung eventuell zuständig gewesen wäre, wir waren ja völlig traumatisiert und der Mann von der Versicherung war zu mir unfreundlich und enorm kurz angebunden).

Wir konnten uns damals also leider nicht die geruchsneutralisierende Oberflächenreinigung mit Sprühbehandlung leisten – weder zeitlich noch finanziell – mit der jede Pore eines Möbels gereinigt wird. Als wir uns danach erkundigten, rollten die “Wissenden” dramatisch mit den Augen und sprachen von vierstelligen Summen. Stattdessen machten die Feuerwehrleute mir Angst, ich würde mir Dioxin ins Haus holen, wenn ich die großporigen alten Stücke unbehandelt rette. Seufz. Naja, sie hatten natürlich Recht.

Wenn man gut betreut wird, was bei uns jetzt mal eher nicht so der Fall war direkt nach dem Brand, wird das verrußte Mobiliar von der Brandsanierungsfirma zunächst katalogisiert und dann mit neutralisierenden Mitteln eingesprüht - ich glaube, das Gerät heißt “Fogger”. Dann wird in einem Normalfall, den wir ja nicht hatten, der gereinigte Hausrat fachgerecht verpackt, während das Gebäude angegangen wird:

Es werden alle Materialien entfernt, die in Mitleidenschaft gezogen wurden. Tapeten, Böden, Parkett, Einbauküchen, Wandvertäfelungen und alles, was von Feuer und Löschwasser zerstört worden ist. Meistens muss dann der Estrich getrocknet werden - unser Haus hatte danach erst mal über ein Jahr lang nicht einmal ein Dach, also muss ich darüber fast schmunzeln. Fast.

Fachgerecht reinigen, trocknen und so weiter fiel bei uns also flach, gehört aber normalerweise zur Brandschadensanierung. Verrußte Klinker und Fassaden werden auch gesäubert und in einer idealen Welt und mit „nur“ einem Wohnungsbrand wären wir von einer Firma betreut worden, die dafür gesorgt hätte, dass Elektro und Sanitär wieder hergestellt werden, alle Wände erneuert, die Böden verlegt und zum krönenden Abschluss die neue Küche eingebaut und der gereinigte Hausrat angeliefert. Bei uns waren ja der Dachboden und das oberste Geschoss weg.

Dafür hatten wir eine Hausratversicherung, deren Hotline-Dame mich bereits beim Erstkontakt übelst ankeifte und deren Brandschadenbeauftragter vorschlug, ich könne ja meinen auf der Intensivstation liegenden Mann zurücklassen und erst mal nach Mallorca fliegen, um dem ganzen Stress zu entkommen. Er wusste natürlich, dass sein Notfall-Scheck zehn Tage bis zur Gutschrift brauchen würde. Ich vorher nicht. 

Kurz und gar nicht gut: Wir haben gerade zwei Jahre hinter uns, die buchstäblich jeder Beschreibung spotten. Die Brandverletzungen dritten Grades wollten ja auch noch ausgeheilt werden, das Kind vor Trauma geschützt, die verbrannte Existenz wiederbeschafft, sowohl die Geräte als auch die Seele.

Wenn jemand blöde Scherze über das Abfackeln von Häusern machen möchte, dann bitteschön nicht mit mir.



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Oh man, so schlimm was euch da passiert ist… ich kann mir gar nicht vorstellen, wie man sich da fühlen muss. Blöde Scherze sind da mehr als fehl am Platz!

Ich drücke euch fest die Daumen, dass es jetzt voran geht und ihr nicht (wieder) falsch beraten und vertröstet werdet!

Ich würde euch ja so gerne helfen… wenn ich nur wüsste wie. Wenn ihr eine Idee habt, sagt mir gerne Bescheid!

Liebe Grüße,
Stefanie

Stefanie  am  29. Mai 2012



Jeder, der versteht, dass es mit “Ach, sie sind ja glücklicherweise versichert” nicht getan ist, bedeutet automatisch eine große Hilfe :-)

Ich war direkt nach dem Brand total auf Autopilot geschaltet. Für mich war klar, wir fangen bei Null wieder an. Erst durch einen missgünstigen Neider erfuhr ich, dass wir eine Gebäudeneuwertversicherung hatten, so neben der Spur war ich.

Aber niemand hätte es für möglich gehalten, dass der Wiederaufbau über 2 Jahre dauert. Da bauen andere ganze Siedlungen wieder auf.

Melody  am  29. Mai 2012



wie ist denn der aktuelle stand der arbeiten? wisst ihr schon, wann ihr ungefähr wieder in eure wohnung könnt?

simetra  am  29. Mai 2012



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