Trockenbauwand prima selbstgemacht… von Volker Koenig

...auch ohne Zwirbelbart.

Trockenbauwände sind die Alternative zu gemauerten Wänden. Sie bestehen nicht aus Ziegelsteinen, die aufeinander gemauert werden, sondern aus

  • einem Trägerwerk aus Holz oder Metallprofilen
  • einer Dämmung, meist aus Steinwolle
  • einer Beplankung mit Gipskartonplatten
  • ggf. einem “Innenleben” in Form von Leitungen

Wie bei allen Bauvorhaben ist die Planung wichtig. Wo soll die Wand hin? Wie dick darf sie maximal sein? Muss sie besonderen Schallschutz bieten? Ist eine Tür erforderlich? Sind Elektro- oder Wasserinstallationen erforderlich?

Sind diese Fragen beantwortet und ein Lageplan erstellt kann das Material beschafft werden.

Bei Wänden, die eine besondere Schalldämmung erfordern, sollten Metallprofile für das Ständerwerk benutzt werden. Ansonsten tun es auch Holzbalken. Preislich ist da kein wesentlicher Unterschied, bei einer Wand von 4m Länge kommt es auf eine Differenz von 10 EUR, die Metallprofile teurer sind. Sie haben für geübtere Handwerker den Vorteil, dass Durchführungen für Kabel etc. schon vorhanden sind und die Dämmstoffe besser eingepasst werden.

Dafür hat Holz den Vorteil, das fast jeder schonmal damt gearbeitet hat, es notfalls mit einem Fuchsschwanz gesägt werden kann und beim ungeschickten Hantieren nicht wegknickt.

Typischerweise werden Heimwerker sogenannte “Einmannplatten” benutzen (was nicht heisst, dass Frau sie nicht auch einbauen könnte, aber Handwerk und Frauen sind bekanntlich zwei Welten). Diese Platten haben ein Maß von 2600x600mm, sind also 2,60m hoch. Das ist die heute typische Raumhöhe, was die Verarbeitung einfach macht.

Das Trägerwerk für diese Platten besteht zunächst aus einem Holzbalken oder U-Profil aus Metall an Decke und Boden. Zum Schallschutz müssen die Träger mit Dämmstreifen akustisch von anderen Gebäudeteilen getrennt werden; die Streifen sind simple selbstklebende Filzstreifen.

Zwischen den beiden ersten Teilen werden nun senkrechte Träger montiert. Diese müssen sowohl an beiden Enden der Wand als auch von einer Seite aus gemessen alle 60cm ausgeführt werden. Sofern Türen oder andere Durchbrüche erforderlich sind, muss der Rahmen des Durchbruchs aus Metallprofiilen oder Holzträgern ausgeführt werden.

Senkrechte Träger, die an einer Wand stehen, müssen dort auch festgedübelt werden und einen Dämmstreifen haben.

Zum Befestigen der Holzträger empfehle ich Nageldübel, die werden komplett durch das (vorher angefertigte) Loch im Balken gesteckt und mit dem Hammer fixiert.

Die Einmannplatten gibt es in zwei Dicken: 9,5mm und 12,5mm. Wenn es nur darum ging, einer Wand eine glatte Verschalung zu verpassen, habe ich Platten in 9,5mm (“Die Graue”) benutzt. In allen anderen Fällen ist 12,5mm (“Die Weisse”) Standard. Bei besonderen Schallschutzanforderungen habe ich gute Erfahrung damit gemacht, zwei Schichten Gipsplatten zu montieren.

Zwischen Boden und Decke müssen nun noch Querträger montiert werden, bei 2,60m Höhe insgesamt drei Stück.

Verschraubt werden Holzträger einfach mit langen Schrauben 4mmx80 quer (45 Grad) durch. Es kommt nicht auf Schönheit an, denn die Unterkonstruktion wird unsichtbar. Metallprofile werden mit Trockenbauschrauben verbunden.

Nun ist der Zeitpunkt, die Leitungen vorzubereiten. In den Metallprofilen sind an den Enden schon Durchlässe vorbereitet, die nur aufgebogen werden müssen. Bei den Holzträgern muss mit einem entsprechenden Fräsbohrer Platz geschaffen werden.

Bei allen Kabeln empfehle ich die Verlegung in Rohren. Ich habe Flexrohre genommen, das sind flexible aber harte Schläuche. Wer sehr penibel ist, kann auch starre Rohrsysteme mit Winkelelementen benutzen.

Rohre sind wichtig, denn im Gegensatz zu einer gemauerten und verputzten Wand kann bei Trockenbau nicht mal eben ein neuer Schlitz gestemmt werden, wenn ein Kabel kaputt ist. Es können übrigens nicht zu viele Rohre in der Wand liegen!

Nun kommt die Preisfrage, welche der beiden seiten des Trägerwerkes als erste beplankt wird. Tipp: Die mit den meisten Steckdosen. Die lassen sich am bequemsten beschalten, wenn die Rückseite noch zugänglich ist.

Es werden die Platten eine nach der anderen am Ständerwerk verschraubt. Pro Träger ca. alle 10cm eine Trockenbauschraube eindrehen. Die Schrauben müssen wenigstens 1/2mm versenkt werden.

Die Platten sind an den langen Kanten abgerundet, damit dort später eine Fugenmasse aufgebracht werden kann, mit der auch die Schrauben verdeckt werden.

Für Steckdosen gibt es spezielle Hohlraumsysteme. Es wird ein Loch von 72mm Umfang gebohrt (Lochsägen gibt es im Baumarkt) und die Dose eingeschoben und verschraubt. Leerdosen am Ende der Leerrohre (mit Deckel und übertapeziert) sind übrigens eine gute Idee.

Rigips wird übrigens mit einem normalen Cutter (10cm Klingenbreite) geschnitten werden. Es reicht, einen tiefen Schnitt zu machen und dann die Platte weg zu brechen. Wenn L-förmige Teile geschnitten werden müssen, muss man allerdings mit mehreren Schnitten ganz durch kommen. Eine Stich- oder Kreissäge ist nicht angesagt, außer, man steht auf eine dicke Schicht Gipsstaub.

Sind die Installationen fertig wird Dämmstoff eingepasst; die Matten müssen für Schallschutz möglichst schwer sein (Wärmedämmung um Innenraum ist eher unüblich). Sie werden mit leichtem Übermaß zugeschnitten un din die Fachungen eingeklemmt.

Danach wird die Gegenseite beplankt und eventuelle Steckdosen werden noch montiert.

Wenn alle Platten verschraubt sind wird der Spezialgips angerührt und in zwei Arbeitsgängen aufgebracht. Erst werden die Löcher gefüllt und danach glatt geschliffen, wo noch Gips überstand, dann werden die meist noch vorhandenen Vertiefungen aufgefüllt und erneut geschliffen.

Vor dem Tapezieren sollte die papierbeschichtete Gipswand noch mit Tapetenwechselgrund behandelt werden, damit die Tapeten später wieder entfernt werden können.

Benötigtes Werkzeug:

  • Säge (bw. Metallschere bei Metallprofilen)
  • Cuttermesser
  • Akkuschrauber/-bohrer mit Bits und 8mm Holzbohrer
  • Schlagborhmaschine bzw. Bohrhammer mit 8mm Betonbohrer 12mm lang
  • ggf. Lochsäge für Steckdosen
  • Fräsbohrer für Kabelkanäle, wenn in Holz gearbeitet wird
  • Wasserwaage….

Benötigtes Material am Beispiel “Wand 3,50m mit Holzträgerwerk”

  • 4 Balken 60x60mm 2m für, Decke und Boden je 2
  • 7 Balken 60x60mm 2,50m für senkrechte Träger
  • 50 Nageldübel 8x100
  • 6 Balken 40x60mm 2m für horizontale Träger
  • 50 Schrauben 4x60
  • 14 Einmannplatten
  • 564 Trockenbauschrauben

  • nach Bedarf Kabelkanal, Dosen etc.
  • 10 m² Dämmstoff 60mm Dicke
  • Fugenmörtel für Gipskartonwände



Kommentare: (per RSS abonnieren)


Uff. Besten Dank!

Ist das dann eine Wand, die auch als Dusch-Seitenwand dienen kann (wenn der Fliesenleger sie zukachelt, versteht sich), oder ist das nicht feuchtraumgeeignet?

Melody  am  06. Juni 2006



Für Feuchträume gibt es speziell geeignete Platten (die sind glaube ich grün).

Noch ein Hinweis: das Befestigen der grauen Schnellbauschrauben in Metallprofilen erfordert Übung, denn erst geht lange gar nichts und wenn die Schraube dann packt, ist sie ruckzuck drin. Holz als Unterkonstruktion ist da “gutmütiger” ;-)

Thomas J.  am  06. Juni 2006



Also ... eigentlich hatte ich nur vor, den klitzekleinen Mauervorsprung zu mauern. Doch eine Wand fehlt auch, das stimmt :-)))

Melody  am  06. Juni 2006



@Thomas: Genau meine Beobachtung.
Noch was zum Holz: Die Balken müssen natürlich gerade sein. Und schnell verbaut werden, weil sie sonst (wenn das Holz nicht trocken genug war) krumm werden können. Wenn’s verbaut ist ist das so eingeschraubt, dass es sich kaum noch verziehen kann.
@Melody: Der Mauervorsprung ist auch ganz einfach. Da sind sicherlich keine leitungen drin und isolieren muss man ihn auch nicht, oder?

Volker Koenig  am  06. Juni 2006



Ich hab mal versucht, meine Herausforderung zu skizzieren. Wobei ich ja nicht alleine bin, und Oliver ist handwerklich sehr geschickt. Ich selbst - weiß es einfach noch nicht, weil ich es noch nie probiert habe. Das ändert sich jetzt.

Melody  am  06. Juni 2006



Kleine Mauer kann man auch einfach mit Ytong und Baukleber “mauern”.

Jörg  am  07. Juni 2006



@Jörg: Diese Mauer musst Du aber verputzen, und da gibt es für uns Amateure nur Trockenputz, also Rigips, der verklebt wird ;-=

VolkerK  am  07. Juni 2006



Verputzen hört sich schlimmer an, als es ist.

Aber im Bad kommen sowieso Fliesen dran - braucht nicht verputzen (Glätten und Fliesengrund lang als Vorbehandlung). Und gerade wenn es die Abtrennung des Klos ist, stösst man man ja immer mal gegen das Mäuerchen. Massiv mit Ytong ist die “Haptik” doch erheblich angehmer.

War nur ein Tipp. Es gibt viele Wege zum Ziel. Das macht das Heimwerken ja so interessant. Ich verbringe meine Freizeit an unserem Resthof inkl. massiver Steinscheune mit 600 qm Grundfläche

Jörg  am  08. Juni 2006



O, das kommt sehr auf die Fliesen an. Für unser Bad mit Fliesen 30x40cm wollten wir auch “schnell beiputzen” - der Fliesenlege hat uns mal vorgerechnet, dass er einen ganz anderen Satz pro m² nehmen muss. Für die großen Fliesen im Dünnbettverfahren braucht er eine absolut gerade Wand. Also Gerade sowohl laut Wasserwaage als auch laut Latte. Dann kann er sie so schnell an die Wand bringen, dass es wie eine Patience aussieht ;-)
Selbst, wenn die Wand laut Latte “gerade” ist aber leicht nach hinten geneigt zaubert die Schwerkraft Stufen in die Fliesen. Er muss dann jede einzeln korrigieren - und das kostet Zeit und Geld.
Und viele Wände haben - schwerkraftbedingt - oben einen dünneren Putz als unten, gerade in Altbauten. Dadurch sind sie natürlich nicht in der Waage. Mit Gips kriegen sogar “wir Amateure” geradere Wände hin als die Verputzer sie vor Jahrzehnten.

VolkerK  am  08. Juni 2006



Du kannst die Mauer auch mit Ytong mauern und Gipskartonplatten mit Ansetzgips ankleben. Somait hast du sehr schnell eine Fläche die in Waage ist.

captdave  am  28. Juni 2006



tipp…. selbstschneidende schrauben sind hervorragend geeignet. aber achtung: unbedingt mit senkkopf, sonst wirds nix gescheites ;)

michl  am  20. April 2008



Hallo,
kann man die Trockenbauwände auch auf einem Holzschwingboden aufbauen? Gibt es Probleme wenn die Wände am Dachstuhl befestigt werden und dieser sich ja etwas bewegt?

Spence  am  01. Juni 2008



Hallo Volker, dieser Mann kopiert deinen Eintrag. Vielleicht mal Mitglied bei TextGuard.de werden und den Dieb die Konsequenzen spüren lassen? (Ich hab seine T-Online Mailadresse).

Melody  am  08. April 2009



Hi Carola, ich glaub, das mit TextGuard werd ich mal angehen. Soooo viele Google-Agenten kann ich gar nicht überschauen, wie ich bräuchte… Wäre nett, wenn Du mir seine Mailadresse geben würdest, ich hab ihm per Kontaktformular die Socken aufgeblasen und dem Provider auch ein paar Worte zum impressumfreien Plagiat-Aufritt seines Kunden gemailt, aber ich denke nicht, dass da was bei rumkommt…

VolkerK  am  08. April 2009



You got mail :-)

Melody  am  08. April 2009



Noch einer, und noch mehr, Volker. Anzeige erstatten, Rechnung schreiben.

Melody  am  11. April 2009



Der erste ist schon vom Provider kommentarlos entfernt worden (nicht nur das eine Dokument sondern gleich der ganze Kunde), den anderen hab ich heute Nacht schon freundlich angemailt. Im Gegensatz zu dem Trockenbaumann scheint das was nichtkommerzielles zu sein…

VolkerK  am  11. April 2009



Hallo und vielen Dank für die Erklärungen.
Eine Frage hätte ich allerdings noch. Wie bekomme ich es hin, daß die Decken- und die Bodenleiste genau übereinander sind. Reicht es da ein Lot zu nehmen?
Kathi

Haithabu  am  17. August 2009



Kathi, an den Wänden, an die eine Trockenbauwand anschließt, muss ein senkrechter Balken oder ein senkrechtes Metallprofil angebracht werden, damit die Gipsplatten dort verschraubt und fixiert werden können.
Ich hab immer den Bodenbalken als erstes montiert und darauf mit der Wasserwaage den senkrechten “Wandbalken” gesetzt. Mehrmals nachgemessen, weil Mr. Monk der Detektiv nicht erreichbar war ;-) Und dann den an der Decke montierten Balken genau dort angesetzt.

VolkerK  am  17. August 2009



Wie viel materialien brauch ich wenn die wandhöhe :3,10 m und die breite :9.15m beträgt?

Titze  am  09. September 2009



Ist Bauschutt (aus einem Wanddurchbruch mit Ziegelsteinen) als Schalldämmung geeignet? Was käme noch an preiswerten Materialien in Frage?

Melanie  am  01. Juni 2010



hallo!
ich bin absoluter trockenbaulaie, und möchte mir jetzt zur abtrennung zwischen küche und wohnzimmer eine trockenwand stellen.
der vormieter hat momentanauch eine stehen möchte diese jedoch aus nickeligkeit bei seinem auszug abreißen. nun will ich genau an der selben stelle eine 10 cm starke trockenwand erstellen.
Sie hat eine Länge von 1,90m und ist etwa 2,5 m hoch.
Könnt ihr mir sagen wieviel materielien ich in etwa benötige und welche Kosten beim Bau ca. auch mich zukommen?

Denise Schneidkind  am  01. Juni 2010



Hallo,
wir wollen in einem Raum mit Bodenfliesen mehrere Trockenbauwände installieren. Wie befestigt man die Profile auf dem Boden, so das man sie später wieder rückstandslos wieder entfernen kann? Also keine Löcher in den Fliesen!
In jede neue Wand muss auch noch eine Tür, so das man kein durchgängiges Profil auf dem Boden hat was man an den vorhanden wänden befestigen kann.
Vielen dank,
Gruß David

David  am  19. Juli 2010



Hallo,
wir wollen im Prinzip das Gleiche wie David (“Wie befestigt man die Profile auf dem Boden, so das man sie später wieder rückstandslos wieder entfernen kann? Also keine Löcher in den Fliesen!
In jede neue Wand muss auch noch eine Tür, so das man kein durchgängiges Profil auf dem Boden hat was man an den vorhanden wänden befestigen kann.
“), nur dass bei uns statt Bodenfliesen Parkettboden ist, der nicht beschädigt werden darf.
Wer hat einen Tipp?

Martin  am  03. August 2010



Hallo,
mir geht es wie Martin. Ich möchte gerne eine Wand einziehen, welche auch eine Türe haben soll. Allerdings steht diese dann auch auf einem schwimmend verlegten Junckers-Holzboden (12mm massive gepresste Buche-Dielen). Muß ich die Wand auf jeden Fall auch mit dem darunterliegenden Estrich verbinden?

Anja  am  27. August 2010



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