10 Tipps für Handwerk mit goldenem Boden von Melody

1) Seien Sie unauffindbar. Stellen Sie unbedingt sicher, dass Sie keine Website haben oder wenn, dann nur eine Baustelle (ha ha). Tragen Sie einen Fantasienamen oder eine schwammige Tätigkeitsbeschreibung in die Gelben Seiten ein, denn nur so können Sie gezielt vermeiden, dass potenzielle Kunden Sie finden und sofort kontaktieren können. Klare Aussagen wie “Trockenbau und Malerarbeiten” kann man jederzeit umgehen, man muss nur wollen und »Baukonstruktionsunternehmen« oder ähnliches entwerfen. Das hält im Homepage-Fall auch die Suchmaschinen fern.

2) Lassen Sie sich nur höchstpersönlich empfehlen. Nur wenn Ihr Nachname oder wenigstens eine ungefähre Schreibweise von Bekannten zu Nachbarn weitergereicht werden, reagieren Sie auf Anfragen. So können Sie den lästigen normalen Kunden ausweichen und müssen nur für Freunde von Freunden von Verwandten arbeiten, die am liebsten alles umsonst hätten und vorzugsweise in Naturalien (Freibier?) zahlen würden, dafür aber größere Hemmschwellen in Sachen Gewährleistung haben dürften.


3) Lassen Sie Omi ans Firmentelefon. Jeder, der ein größeres Bauvorhaben plant und eine Firma telefonisch kontaktiert, freut sich ungemein, wenn er erst mal mühsam an der Frau, Schwägerin oder Mutter eines Handwerkunternehmers vorbei um eine Rücksprache kämpfen muss. Nichts lieber, als gründlich nach der Baustelle befragt zu werden, weil der Telefon-Bulldog so instruiert wurde, dass nur echte potenzielle Kunden weitergeleitet werden, um dann am Ende zu hören »Davon versteh ich ja sowieso nichts, da ruft mein Männe sie dann abends mal an.«

4) Rufen Sie einfach nicht zurück. Omi hat zwar alle Daten notiert, aber eine Badezimmer-Trockenbauwand? Das hört sich eher nervig an, Sie sind gerade gut ausgelastet und lassen es lieber. (So verpassen Sie dann die anderen 5 neuen Wände, das Verputzen von 2 Wohnungen inklusive Decken und den neuen Estrich, aber hey, wer braucht schon Geld und Aufträge?)

5) Wenn Sie zurückrufen, seien Sie bitte schwierig. Der Kunde wird verstehen, dass Sie nur zwischen 17 Uhr 35 und 19 Uhr 21 vorbeikommen können, um sich den drohenden Auftrag mal anzuschauen und hört auch gerne direkt bei der ersten Kontaktaufnahme, dass Sie bereits gut ausgelastet sind und am liebsten vor Dezember nichts Neues machen würden, sich aber trotzdem dazu herablassen, sich »das« mal anzuschauen.

6) Vergessen oder verschieben Sie den ersten Termin. Besser, man verwöhnt geschäftliche Kontakte gar nicht erst. Wenn man zweimal nicht kommt und auf einen Anruf hin auch nicht sonderlich geknickt erscheint, freuen sich die potenziellen Kunden nämlich total, wenn man sich überhaupt meldet. Kommen Sie beim zweiten oder dritten Anlauf pünktlich, das ist dann eine super Überraschung. Besser noch, kommen Sie zwei Stunden zu früh.

7) Kritisieren Sie das geplante Bauvorhaben gründlich. Sie würden alles ganz anders machen und das sollten Sie dann auch möglichst sofort mitteilen. Die Kunden möchten kleine Räume, Sie schlagen große vor. Die Kunden möchten große Räume, Sie aber können ausführlich begründen, warum kleine besser sind. Die Kunden möchten ein Duschbad, Sie würden da aber lieber eine Wanne einbauen und so weiter. Lassen Sie deutlich durchblicken, dass auch seit Jahren in Planung befindliche und bereits gut durchdachte Baupläne nicht gegen Ihre jahrzehntelange Erfahrung anstinken können.

8) Versprechen Sie ein Angebot, aber melden Sie sich danach niemals wieder. Nur ein Weichei würde einen Kunden anrufen und sagen, dass er sich gegen einen Auftrag entschieden hat, damit der Kunde weitersuchen und –planen kann. Echte Kerle verarschen Interessenten lieber, vielleicht kommen die ja noch mal fragend angekrochen und können sich dann noch mal die Geschichten anhören, warum man als Handwerker alles gerne anders bauen würde als von den Bauherren gewünscht. Oder Sie reichen auf die erneute Nachfrage dann doch noch ein Angebot ein.

9) Angebote machen – aber richtig. Setzen Sie Pauschalen in Ihr Angebot und vermeiden Sie dabei unbedingt anzugeben, wie viel Material wo verbaut wird und welche Arbeitszeiten Sie dafür ansetzen. Am besten rechnen Sie im Kopf ein realistisches faires Angebot aus und nennen dem Kunden dann die doppelte oder dreifache Summe. Irgendwann wird irgendein Depp anbeißen, und damit ist dann der Urlaub gesichert.

10) Nennen Sie Ihre Bedingungen. Machen Sie dem Kunden gleich klar, dass Sie hier die Regeln diktieren. Sie arbeiten nur mit Firmen zusammen, die Ihnen gut gefallen und Sie suchen sich auch lieber aus, wann ein Auftrag erledigt wird. 100% Vorkasse scheint Ihnen angemessen, ohne dass Sie einen Terminplan akzeptieren würden und da Sie so freundlich waren, sich überhaupt wieder zu melden und dann auch noch ein Angebot zu erstellen, möchten Sie am liebsten auch so einiges am bisher abgeschlossenen Bau noch mal ändern, weil Sie das für sinnvoller halten.


Diese Tipps sind nicht schwierig zu befolgen, das zeigt die tägliche Praxis uns nun seit Wochen. Und, nicht vergessen:

Rollen Sie unbedingt mit den Augen und fangen Sie genervt an zu stöhnen, wenn jemand MyHammer & Co erwähnt, befolgen Sie aber trotzdem unbedingt konsequent die Schritte 1-10, die früher oder später jeden in die Fänge einer Handwerkerauktionsplattform treiben werden.



Kommentare: (per RSS abonnieren)


Hallo Carola,

ich hatte einen ellenlangen Kommentar verfasst und nun doch mal stark eingekürzt… Deine Sammlung aller Schandtaten ist fürchterlich. Das meiste verständlich. Mein Senf dazu (bin seit über 10 Jahren das Sanitär-Heizungs-Dach-Büro-Mädchen-für-alles):

Punkt 9): Erstens wäre die Aufsplittung von Zeit und Material bereits eine teilweise Offenlegung der Kalkulation, das ist ein no-go. Wenn es um Angaben “x Meter Leitung” geht, okay, aber komplett mit sämtlichem Kleinkram? Dann wäre das ein feines kostenloses Leistungsverzeichnis, das der evtl. Kunde dann bei den Mitbewerbern herumreicht zwecks Preisvergleich. Eine mündliche Schätzung der Arbeitszeit muss immer drin sein, schon für die Planung des Kunden/Terminpläne.

Punkt 10)/Vorkasse: Leider hat die Zahlungsmoral von privaten Kunden so krass nachgelassen, dass wir von kleinen oder unbekannten Kunden (in aller Regel eben Privatkunden) ca. 70 % Vorkasse verlangen, wahlweise per Überweisung oder bar beim ersten Monteursbesuch. Es kommt übrigens auch vor, dass Kunden dann Rücküberweisungen bekommen, weil die Rechnungen niedriger ausfallen. Bitteres Lehrstück: Wir haben im Moment 11.000 Euro offen von einem Kunden mit Privatinsolvenz. Aber vor der Haustür standen drei Luxuskarossen! Seit dem nie wieder ohne Anzahlung. (Aber wir haben auch Laufkundschaft, so dass manchmal eine Omi hilflos mit einem Kleinteil in der Hand vor uns steht: Dichtungen und Stöpsel und solche Sachen gibt es dann auch mal als Kundenservice kostenlos in die Hand gedrückt.)
Liebe Grüße aus HH und künftig mehr Glück mit Handwerkern!

Gudrun  am  11. Juli 2009



Danke für diese nützlichen Tips, so kann man wirklich den Sommer ungestört genießen :)

Thomas  am  12. Juli 2009



Hallo Gudrun,

danke für den langen Kommentar! Wenn das für euch so klappt, dann ist das ja toll.

Aber für mich ist klar: Eine Firma, die mir statt echtem Angebot nur eine (viel, viel zu hohe) Pauschale nennt und diese dann nicht aufsplitten will in tatsächliche Kosten, will mich wahrscheinlich einfach nur abzocken oder ist hochgradig unprofessionell oder beides. Und kriegt natürlich keinen Auftrag.

Wir sprechen hier nicht von ein bisschen Montage, sondern von Trockenbau, von Vorinstallationen etc.

Dabei geht es mir nicht um sämtlichen Kleinkram bis hin zu jeder Schraube, sondern ganz normal um Transparenz. Wer kein vernünftiges, halbwegs transparentes Angebot macht, bekommt von uns keinen Auftrag, das ist so und das bleibt so :-)

Es hat auch bisher genügend professionell arbeitende seriöse Firmen gegeben, die auch verstanden haben, dass wir gerne wissen möchten, wo unser Geld bleibt. Es ist ja auch völlig normal, dass man ein transparentes Angebot wünscht.

Mit 50% Vorkasse habe ich ebenfalls kein Problem, aber ganz sicher wird niemals jemand von uns 100% Vorkasse erhalten, der noch keinen Handschlag abgeliefert hat. Warum denn auch? Weil es irgendwo anders Betrüger gibt? Das kann nicht mein Problem sein, ich erwarte für meine Aufträge trotzdem Normalität :-) nichts Hochgestochenes, nichts Außergewöhnliches, kein Dumping oder sowas, aber normal muss das alles schon ablaufen.

Denn lieber sitze ich noch fünf Jahre in einer halben Baustelle, als mich verarschen oder abzocken zu lassen :-)))

Carola  am  12. Juli 2009



Hallo Carola,
mir ist schon klar, dass da bei Euch eine Menge ärgerliche Sachen zusammen gekommen sein müssen! Und es liegt mir fern, dir hier Ratschläge geben zu wollen, bin überzeugt, ihr habt bereits das Menschenmögliche getan. Sicherlich haltet Ihr Euch inzwischen von kleinen Firmen fern (“Omi am Telefon”, wie unprofessionell ist das denn?), im Mittelstand ist i.d.R. die Servicequalität besser. Und auf persönliche Empfehlungen hin habt Ihr auch schon die Firmen ausgesucht… Mehr kann man eigentlich nicht machen. (Und ich sitze hier und schüttle entsetzt mein Haupt.) Ich drücke Euch dann einfach nur mal die Daumen, dass weitere Bemühungen schlussendlich von Erfolg gekrönt sein werden (so, wie Ihr es auch verdient!).
Liebe Grüße

Gudrun  am  12. Juli 2009



Danke, Gudrun :-) auch für die klugen Anmerkungen. Wir hoffen, dass wir nun auch tatsächlich ein Angebot erhalten von den letzten Firmen, die hier waren. Auf Dumping-Preise oder Ruckzuck-Geschichten ohne Wartezeiten sind wir ja gar nicht aus - umso unverständlicher finde ich es, was hier teilweise abgelaufen ist in den letzten Wochen.

Allerdings bin ich zuversichtlich, dass wir schon noch jemanden finden werden, irgendeine Firma wird schon Geld verdienen wollen :-))))

Dir eine schöne Woche!

Carola  am  12. Juli 2009



Hi Carola!

Habe selbst ähnliche Probleme. Sowohl von Berufswegen her (bis hin zu Kontopfändungen von Kunden), als auch im Privaten bei meinem eigenen Neubau.

Bin neugierig und wüsste gerne was aus dieser Geschichte geworden ist.
Gab es ein Happy End? Und wenn ja, wie war die Strategie, die dir das beste Ergebnis beschert hat?

Würde mich sehr über eine kurze Antwort von dir freuen!

Liebe Grüße,
Lukas

Lukas  am  02. Juni 2010



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